Zwischen Filtersourveränität und Scheuklappen – 7. analoger Salon in Hamburg am 27.September 2011

Themenfokus: Zwischen Filtersourveränität und Scheuklappen – wie die Gesellschaft von Filtern beeinflusst wird und wie abhängig wir von Filtern sind“

Wissen Sie noch, was in der Zeitung stand, die Sie heute gelesen oder was die Themen in den Nachrichten waren, die sie gestern gesehen haben? Dass man auf so eine Frage nicht mit einer wirklich vollständigen Aufzählung antworten kann, liegt nicht nur daran, dass sich Menschen nicht alles merken können, was sie erleben und erfahren. Wir nehmen selektiv war. Wir merken uns besser, was uns interessiert, wir lesen und sehen meist, was uns ohnehin interessiert. Wir konsumieren die Medien, die tendenziell ohnehin die Meinungen bestätigen, die wir uns gebildet haben.

Wir filtern. Tag für Tag sortieren wir aus dem Strom an Informationen und Eindrücken unsere ganz persönliche Sicht. Durch die Digitalisierung und die Vernetzung tritt dieser Aspekt des Lebens – und das Paradoxon, dass Gesellschaft als gemeinschaftliche Übereinkunft trotzdem funktioniert, obwohl jeder im Grunde alles ganz individuell wahrnimmt – deutlicher denn je zuvor. Die Informationsmenge, aus der jeder, der über einen Internetanschluss verfügt, Wissen gewinnen kann, ist so groß wie nie zuvor in der Geschichte der Menschheit. Suchmaschinen oder die Empfehlungen von Freunden und Bekannten helfen uns, aus dem allgegenwärtigen Informationsfluss das herauszufischen, was für uns wichtig ist. Oder?

Ja, nun sind wir nicht mehr davon abhängig, dass die Mitarbeiter einer Zeitung oder einer Nachrichtensendung herausfiltern, was an Stadt- oder Weltgeschehen für uns wichtig ist. Wir können das selbst tun, wir definieren unsere Filter heute selbst – indem wir Menschen in Sozialen Netzwerken folgen (oder sie gerade ignorieren), per RSS-Feed unterschiedliche Nachrichtenquellen zum persönlichen Infodienst zusammenschließen oder selbst entscheiden, nach welchem Thema wir gerade googlen.

Doch sind wir deswegen souveräner? Oder haben nur andere, subtilere Mechanismen das  Filtern übernommen, so dass wir gar nicht merken, dass nicht wir filtern, sondern andere das für uns tun? Google etwa zeigt jedem Nutzer individuell unterschiedliche Suchergebnisse an, die aus der Auswertung vorheriger Recherchen extrapoliert werden. Facebook präsentiert auf den ersten Blick nicht alle Neuigkeiten aus dem Stream der Freundesnachrichten, sondern eine Auswahl – wer am aktivsten auf Facebook ist, hat die besten Chance, durch diesen Filter zu schlüpfen und im Stream der anderen präsent zu sein. Der Autor Eli Pariser sorgt sich deshalb, dass die Menschen in so einer „Filterblase“ eingesperrt werden.

Auf dem siebten I-15 Salon am 27. September 2010 wollen wir während eines gemeinsamen Abendessens hierzu intensiv diskutieren und uns austauschen über:

Filter und Filtersourveränität

Eingeladen sind Menschen, die hierzu etwas Beitrag wollen und mitreden möchten; erbeten wird daher ein kurzes, ca. 3-minütiges persönliches Statement zum Thema, das folgende Elemente enthält:

a) individuelle Motivation
b) gesellschaftliche Konsequenz
c) mögliche Ideen für Handlungen


Organisatorisches

Der Salonabend beinhaltet die Teilnahme an einem gemeinsamen 3-Gänge-Menue zum Preis von 27,50 EUR pro Person, zzgl. Getränke. Um die Planung für das Restaurant zu gewährleisten bitten wir, bis einen Tag vor der Veranstaltung (27.10.) um verbindliche Anmeldung. Bei kurzfristiger Absagen am Tag des Salons müssen wir leider das dann eingeplante Essen in Rechnung stellen. Wir bitten hierfür um Verständnis.

Wir wollen diesmal erstmals versuchen, die Ergebnisse dieser Diskussionen mit unterschiedlichen Medien auch öffentlich zu dokumentieren. Weil aber vor allem der vertrauensvolle, offene Austausch den Reiz der Salons ausmacht, kann natürlich jeder selbst entscheiden, ob auch seine Beiträge veröffentlich werden oder überhaupt publik werden soll, dass er teilgenommen hat.

Danke Lars Reppesgaard für den Text.

Anmeldungen bitte an info@i-15.de

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