Kurzbeiträge der Teilnehmer vom 1. Hamburger Salon am 14.01.2010

Peter Kabel:
- Generelles Unwohl sein darüber, dass derzeit zu wenig die Folgen bedachte werden was die Entwicklung des Internets angeht
- “Erschlaffung des Euphoriemuskels” im Bezug auf Web2.0 macht sich bemerkbar u.a. daran, dass Bedenken wenig Resonanz finden
- Sorge speist sich auch aus den Beobachtungen als Vater bei den eigenen Kindern Ziel muss es sein die Web-Kompetenzen zu stärken, bei sich und den eigenen Kindern

Sebastian Deterdings:
Zwei veraltete Denkfiguren / Irrtümer, die wir über das Internet besitzen:
- “Der Cyberspace sei der “ganz andere” Raum” (Aussage vom Wortschöpfer William Gibbson). Es hat zeigt sich jedoch, dass die “Objekte” (Menschen, Bücher, Beziehungen, etc.) aus der realen Welt im Netz einen “Datenschatten” haben, das Web ein digitales Abbild der Welt ist.
- “Das Web ist dezentral strukturiert” – oder ein “glückliches Stundenglas” vielfältiger Schichtungen. Wir erleben statt dessen, wie einige wenige zentrale, privat-wirtschaftlich betriebene Knotenpunkte (Facebook, Google, Amazon, etc.) das Netz strukturieren und möglicherweise kontrollieren.

Nils Müller und Sebastian Rassmann (TrendONE):
-stellten ihre wunderbare Zauberkiste an kommenden Gadgets und Geräten vor: u.a. WLAN-fähige Displays, foliendünn, die in Zeitschriften mit eingedruckt sind, Mini-Beamer, Projektorbrillen, etc.

Hans-Jürgen Kleinsteuber:
- Worin liegt der konkrete Nutzen solcher Geräte (wie von TrendONE) vorgestellt?
- Was sind gesellschaftliche Konsequenzen, etwa zunehmend abisolierte Individuen (Projektorbrille etwa), Gefahr einer atomatisierten Gesellschaft?
- Plädoyer für mehr gelassenen Pragmatismus mit den gezeigten Dingen

Kirstin Marquardt:
erzählt von ihrer persönlichen Entdeckungsreise im Web und das Leben mit anderen, virtuellen Identitäten beim Schreiben und Bloggen über abseitige Orte. Oder die kommunikative Doppelung auf Veranstaltungen, bei denen hinter dem Redner eine Twitterwall laufend Kommentare zeigt und das Publikum (und Redner) in doppelte Aufmerksamkeit bringt.

Agnieszka Krzeminska:
hat drei Thesen zur Zukunft des Web mitgebracht:
- Das Netz ermöglicht grenzenlose Selbstverwirklichung – “Du kannst alles machen was Du willst”
- Wissensmanagement ist die große Herausforderung, um das gesammelte Wissen im Web besser zu organisieren, strukturieren, visualisieren und damit zugänglich zu machen
- Das Ende der Privatheit wie wir sie bisher kennen wird kommen

Götz Hamann:
Souvernität als Thema der Zukunft:
- für Staaten, die sich zunehmend selbstbewußt und mächtig agierenden Konzernen der Informationswirtschaft gegenüber positionieren und behaupten müssen (ähnliche Entwicklung wie einst mit der Ölindustrie)
- für Individuen, wie behalte ich meine informelle Selbstbestimmtheit im Netz?

Lars Reppesgaard:
- sieht Google ebenfalls bereits als Staat im Konflikten China
- Wünscht einen Dialog mit klugen High-Tech-Sphären Menschen (Geeks) darüber: „Was tut ihr da eigentlich?“
- schlägt vor, dass IT-Firmen wie Banken ihr Geschäft betreiben sollten, d.h. jeder kann so etwas wie ein Konto für seine Daten eröffnen, die er oder sie der Firma für eine Zeit leiht für spezielle Informationsgeschäfte

Matthias Kunze:
- Zeit als Thema: wie erlebt jeder einzelne seine Zeit? als geschenkte Zeit? investierte Zeit?
- Und was motiviert Menschen zu diesem oder jenem Handeln in der Zeit?
- Letztlich wollen wir alle kommunizieren und so am gesellschaftlichen Leben teilhaben. Nur ist die Kommunikationstechnik inzwischen schon weiter bzw. bietet viel mehr Möglichkeiten, als die meisten Menschen nutzen können

Ulrike Reinhard:
- Das Internet als gigantisches Netzwerk, in seiner Entwicklung getrieben durch die vielfältigen Einstellungen der Menschen
- Bisher gab es eine Balance zwischen Gutem und Schlechtem im Web => wir wollen, dass langfristig das Gute überwiegt
- Damit es so bleibt ist ein ausgewogenes Geben und Nehmen entscheidend: Was ich aus dem Netz heraus holen will, muss ich selbst erst hinein legen
- Frag Dich lieber, was braucht das Netz von Dir, als was Du vom Netz haben willst
- Was sich entwicklen muss: ein kollektives Bewertungsverfahren, was wichtig und relevant ist
- Ausblick: Die Selbstdarsteller werden im klugen Netz „aussterben“

Moritz Schott:
- Facebook geht mir auf die Nerven!, Monotonie der Inhalte: Glücksnüsse, Farmville und ähnliches.
- Wo bleibt die Orginalität?
- Monopolisten stellen vorgefertigte Inhalte zur Verfügung, was zur Verflachung führt
- Wie entsteht dagegen wirklicher gesellschaftlicher Mehrwert?
- Nachhaltigkeit im Netz: Einen rechtlichen Rahmen schaffen, der die Menschen schützt und zugleich die Vorteile von Anonymität bewahrt

Sachar Kriwoy:
- Die Webszene in Deutschland hat einen Hang zum destruktiven: der Begriff „fail“ führt die Spitzenplätze der meistverwendeten Tags an (auf Twitter)
- Wo sind die positiven Seiten / Denkweisen?
- Werte schaffen, mehr Leidenschaft für die guten Dinge!
- Das Web nutzen die Welt zu verbessern (Bsp: „Der kleine Blumenladen“ in Berlin)

Cem Basman:
- möchte sich gerne vom Web veranschieden
- „mich interessiert das Web nicht, mich interessieren nur Menschen“
- ist erschlagen von der Vielfalt des Webs, versucht es aber zugleich zu nutzen wie ein Instrument (Geige, Cello, etc.)

Tina Kuhlow:
- 1996 konnte man noch an einem Nachmittag das Netz erklären …
- Die Spendenbereitschaft für Haiti, organisiert im Web, ist ein guter Grund das es das Interet gibt
- Zentrale Fragen: Wem gehört das Web? Welche Rechte hat der einzelne? Und wie bleibt das Web gut?

Björn Ognibegni:
- Überwachung und Regeln / Vorschriften im Web erinnern an die Sicherheitstechnik in den modernen „Gängelauto“ (piepen wenn nicht angeschnallt, etc.)
- Vorratsdatenspeicherung ein Monstrum. Wenn das BKA bei jedem Brief verlangen würde den wir schreiben, dass wir ein Zusatzblatt ausfüllen mit Angaben über Absender, Inhalt, etc., es würde einen Aufschrei geben in der Gesellschaft.
- Bild der „Ankerkette um den Hals“
- Wir müssen mit den Leuten reden, die heute noch denken: „das geht mich alles nix an“

Resi Wendt:
- die zwei großen Errungenschaften des Internets:
a) Wissen, dass in aller Fülle und jederzeit verfügbar ist
b) Freiheit Kontakte zu knüpfen mit jedermann weltweit und die eigene Meinung zu äußern
- Schattenseiten werden inzwischen deutlich sichtbar
- Aufklärung ist wichtig, Bewußtsein schaffen

Ole Keding:
- das Web ist dezentral im Sinne einer kulturellen, länderspezifischen Vielfalt. In Deutschland ist das Internet ganz anders als z.B. in den USA
- Frage nach der Relevanz: persönliche Überforderung und was kann ich dagegen tun? Wie wird das Internet wieder handhabbar für den Einzelnen?

Moritz Avenarius:
- das Internet als 4. epochenmachendes Verbreitungsmedium nach Sprache, Schift und Buchdruck und die Frage, wie es die Gesellschaft langfristig verändern wird
- was wird die Gesellschaft hervorbringen, um die Komplexität und das Überangebot an Sinn durch das Web zu reduzieren?
- wie managen wir das Nicht-Wissen, was uns immer drastischer vor Augen geführt wird, dem wir laufend ausgesetzt sind?
- persönliche Vision: durch das Internet finde ich als Individuum den Menschen, der optimal oder sogar perfekt zu mir passt, ob für Geschäftsbeziehungen, Liebe, Freundschaft, etc. und macht mich unabhängig von dem „Dorf“, in welches ich mehr durch Zufall hineingeboren wurde

Aufzeichnungen gesammelt und editiert von Moritz Avenarius
Ort: Restaurant Fuh in Hamburg Altona

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