Salon Hamburg

Alles bisherigen Salons in Hamburg

Authentizität hat einen hohen Stellenwert – gerade in der Massengesellschaft. Wie echt ist die eigene Persönlichkeit, wie kenntlich wird ihr Eigensinn? Unter anderem Namen zu publizieren, aufzutreten und zu leben – damit spielten bisher meistens Schriftsteller, Schauspieler und Künstler. Wie in vielen anderen Lebensbereichen macht heutzutage das Internet es möglich, unter diversen Namen und mit vielen Identitäten aufzutreten. Man mag das als Vervielfältigung des Ich, als „Demokratisierung“ und somit als Freiheits-Gewinn ansehen. “Ich ist ein anderer“ – so hatte Arthur Rimbaud geschrieben. Als ein „anderer“ im Web zu posten, sich darzustellen – das kann heutzutage jeder.

Spätestens seit den spektakulären Veröffentlichungen brisanter Dokumente durch Wikileaks besitzt diese Möglichkeit, im Internet anonym zu agieren, jedoch auch gesellschaftspolitische Sprengkraft. Immer häufiger kommt daher aus der Politik der Ruf nach einem Zwang, nur mehr mit dem eigenen „Klarnamen“ im Web sich zu artikulieren.

Einen festlegenden Vorstoß hatte Google+ gestartet. Die neue Social Networking Plattform verlangte zu Beginn von Nutzern die Verwendung des Klarnamens. Dagegen protestierten viele User erfolgreich, die bisher im Internet unter einem Pseudonym aktiv sind und damit eine gewisse Bekanntheit erreicht haben. Denn für sie ist gerade der Reiz, mit einer weiteren Identität öffentlich und zugleich geschützt sein zu können. Inzwischen hat Google+ seine Policy zurück genommen.

Hieran knüpfen sich nun Fragestellungen, welche spielerischen Möglichkeiten etwa das “wer bin ich – und wenn ja wie viele” im Netz eröffnen? Wohin führt die Netz-Schauspielerei in Zeiten, in denen der Ruf nach Authentizität wächst? Inwieweit verändern Pseudonyme und Anonymität die Kommunikation? Und in welchen Zusammenhängen ist Anonymität erforderlich – und ab wann wird sie für eine Gesellschaft problematisch?

Auf dem zehnten Hamburger I-15 Salon am 23. November 2011 wollen wir während eines gemeinsamen Abendessens hierzu intensiv diskutieren und uns austauschen über:

“Pseudonyme und Anonymität in Zeiten von Internet und Datenbanken”

Eingeladen sind Menschen, die hierzu etwas Beitrag wollen und mitreden möchten; erbeten wird daher ein kurzes, ca. 3-minütiges persönliches Statement zum Thema, das folgende Elemente enthält:

a) individuelle Motivation
b) gesellschaftliche Konsequenz
c) mögliche Ideen für Handlungen

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Wie die Gesellschaft von Filtern beeinflusst wird und wie abhängig wir von Filtern sind –
das war die Thematik, mit der sich der analoge Salon für digitale Themen am 27. September beschäftigt hat. Unter der Moderation von Moritz Avenarius kamen zwölf Personen mit unterschiedlichem Hintergrund im Hamburg Business Club zusammen, um die individuellen Positionen auszutauschen, die gesellschaftlichen Konsequenzen zu diskutieren und mögliche Handlungsanweisungen zu entdecken.

Individuelle Motivation:
Die Teilnehmer um die Initiatoren Tina Kalow und Peter Kabel stellten in drei-Minuten-Statements ihre Standpunkte zu Internetfiltern dar. Die übereinstimmende Meinung, dass wir tagtäglich sowohl im Internet als auch im Alltag vielfältig mit Filtern konfrontiert sind, war einer der wenigen Punkte, über die Konsenz herrschte.

Ein Teilnehmer berichtete über das E-Mails einer Freundin bei E-Mail Providern im Spamordner landen, da der Nachname der Freunin in Kombination mit einem unpassenden Betreff ausgefiltert werden. Wichtige Informationen werden so wohlmöglich nicht zugestellt. Die technische Lösung, die auf logischen und semantischen Parametern basiert, setzt sich über unsere persönliche Filter, nämlich Bekannte und Freunde, hinweg und unterbindet die Zustellung von für uns relevanter Information.

Ein Großteil aller Internetsitzungen startet mit der Suchmaschine Google, die bei gleicher Suchanfrage unterschiedliche Ergebnisse ausliefert – abhängig vom jeweiligen Nutzer. Somit stellt sich die Frage, ob von einer Objektivität gesprochen werden kann, wenn Suchergebnisse aufgrund des Surfverhaltens angezeigt werden. Hierbei wurde mehrfach auf das folgende Video von Eli Pariser und dessen Buch The Filter Bubble verwiesen, in dem demonstriert wird, dass es kein objektives Suchergebnis von Google gibt.

Farid Müller, Abgeordneter der Hamburger Bürgschaft, führte an, dass auch die Demokratie auf Filtern basiere. Sein Bürgschaftsmandat hat er durch eine demokratische Wahl erhalten. Auch hier greift das Prinzip der Filterung: Der Wähler entscheidet sich an der Wahlurne für den Kandidaten, dessen Ansichten er am ehesten teilt. Insofern filtert er die Differenzen raus und konzentriert sich auf den Konsens. Filter beschränken demnach nicht nur Information, sondern tragen auch zur Anreicherung von Information bei.

Kixka Nebraska bestätigte dies anhand des Zuwachses ihrer Follower um über 80 Prozent, nachdem sie von Sascha Lobo bei Google+ im Circle: German Essential aufgenommen wurde. Die Erkenntnis, dass Filter auch als Verstärker eingesetzt werden können, zeigt sich auch angesichts der werblichen Aussagen mit denen wir tagtäglich konfrontiert sind. Ständige Wiederholung von Werbebotschaften gipfeln in personalisierter, dem Umfeld angepasster Werbung, und Retargeting.
Die Filter, denen wir tagtäglich ausgesetzt sind, sind somit ganz unterschiedlicher Art. Sie basieren auf technischen, politischen oder wirtschaftlichen Interessen der Akteure.

Welche Konsequenzen ergeben sich daraus für eine Gesellschaft?

Kontrollverlust
Jeder der Filter nutzt, oder diesen ausgesetzt ist, gibt eine gewisse Kontrolle ab. Wir wissen nicht, weshalb uns Suchmaschinen bestimmte Ergebnisse anzeigen. Genauso wissen wir nicht, weshalb uns bei sozialen Netzwerken bestimmte Inhalte angezeigt, oder verborgen werden. Die Verbreitung der gefilterten Informationen lässt uns nicht kontrollieren, ob wir auch nur die unvollständige Information sehen möchten.

Steigerung der Effizienz
Durch die Nutzung von Suchmaschinen zur Beantwortung von Fragen, überträgt man die Durchsicht von mehreren Milliarden Internetseiten an eine Suchmaschine, in der Hoffnung, von ihr das passende Ergebnis angezeigt zu bekommen. Niemand könnte selbst alle Webseiten durchsuchen, daher helfen Filter der Gesellschaft, effizienter zu sein und weniger Zeit mit der Suche nach Information zu vergeuden.

Doch birgt diese Effizienz auch eine gewisse Gefahr für die Bildung von blinden Flecken und für Manipulation.

Mögliche Manipulation
Die Mitgliedschaft in sozialen Netzwerken und das Tracking unseres Surfverhaltens hilft Akteuren mit wirtschaftlichem Interesse, uns spezielle Angebote wiederholt vor Augen zu führen. So wussten Teilnehmer zu berichten, dass sie nach einer spät abendlichen Netzsession plötzlich Augentropfen als Anzeigen gereicht bekamen. Diese Anzeigen werden durch unserer Bewegungen im Netz ausgelöst und liefern das Futter für die Personalisierung von Angeboten. Die Nutzer selbst liefern die Relevanz für die ihnen angezeigten Werbemittel. Die ökonomische Logik baut lediglich auf diesem Zustand auf und bedient sich bestimmter Algorithmen.

Algorithmen als zusätzliches Sinnesorgan
“Algorithmen sind ein gesellschaftliches Sinnesorgan, das die Blicke schärfen kann.”, merkte Jens Best und führt an, das erst durch Filter eine gewisse Kontextualisierung entsteht. Somit entsteht eine Macht auf Seiten der Besitzer bzw. Nutzer dieser Algorithmen. Ähnlich der Coca-Cola Formel ist der Suchalgorithmus von Google nicht veröffentlicht und geistiges Eigentum, welches Internetnutzern vermietet wird. Über diesen Algorithmus definiert sich die Auffindbarkeit und Distribution von Inhalten im Netz.
Doch trotz des Einsatzes von Algorithmen kann der Gesellschaft nicht abgenommen werden, Entscheidungen zu fällen. Die Balance zwischen Information und Entscheidung kann weiterhin weder durch Filter noch durch andere technische Hilfsmittel ersetzt werden. Je fundierter eine Entscheidung durch das Vorliegen von viel Information untermauert werden kann, desto seltener werden Impulsentscheidungen gefällt. Impulsentscheidungen haben jedoch immer einen gewissen zeitlichen Vorsprung.

Eingedämmte Information
Viel Information erreicht uns aus sozialen Netzwerken, in denen wir uns mit Freunden und Bekannten vernetzt haben. Information, die über das Zwischenmenschliche hinausgeht, unterliegt einer Verflachung. Unser soziales Netzwerk entspricht meist nicht unserem sozialen Umfeld in der Realität – wir umgeben uns dort meist mit Personen, die aus einem ähnlichen sozialen Milieu stammen oder ähnliche Ansichten vertreten. Wenn diese Personen nun wiederum Information und Inhalte mit uns teilen, stammen diese aus einem uns ähnlichem Umfeld. Dadurch lauert die Gefahr, dass der soziale Graph in seinem eigenen Saft darbt und nur wenige Inhalte und Einflüsse von außen eindringen. Die geteilte Information mag für den Einzelnen von großer Relevanz sein, jedoch birgt diese einseitige Informationszufuhr die Gefahr, blinde Flecken zu entwickeln.

Wenn wir Filter schon nicht umgehen können, welche Erwartungen müssen wir an sie stellen und wie können wir sie am besten nutzen?
Der höchste Filter ist unsere Verantwortung gegenüber der Gesellschaft. Was filtert der Einzelne und was teilt er der Gesellschaft mit? In einer Zeit, in der das klassische Sender-Empfänger-Verhältnis längst obsolet ist,  sind wir dafür verantwortlich, wie viel Information wir über uns oder andere veröffentlichen. Genauso muss man sich damit abfinden, nicht alle vorhandene Information einsehen zu müssen.

Serendipität
Algorithmen lassen keinen Spielraum für Zufälle. Zufälle begünstigen jedoch die persönliche Entwicklung oder auch die Entstehung großer Erfindungen. Der Einsatz hochtechnologischer Filter beraubt uns dieses Zufalls, der unlogischen Kombination von Existierendem. Wer weiß, ob die bisher genutzten Algorithmen überhaupt mein tatsächliches Interesse erfasst haben? Vielleicht habe ich mich bisher im Netz nur auf den falschen Seiten bewegt? Da mir nun aber ständig ähnliche Seiten gezeigt werden, verliere ich die Möglichkeit, zufällig auf Schmuckstücke zu stoßen.

Medienkompetenz
Eine weitere Handlungsmöglichkeit wäre die Erhöhung der Medienkompetenz der Gesellschaft. Mit der Anschaffung von Anlaufstellen und Instanzen könnte anschaulich erklärt werden, weshalb welche Information wo angezeigt wird. Auf diese Weise kann der Bürger davon abgehalten werden, wirtschaftlich oder politisch manipuliert zu werden.

Presse-Grosso
Ein weiterer Vorschlag ist, ein Pendant zum Presse-Grosso im Internet einzuführen. Der Presse-Grosso sichert in Deutschland die Pressefreiheit,  Artikel 5 des Grundgesetzes: Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt. Niemand weiß die tatsächliche Funktionsweise des Suchalgorithmus von Google. Da Google die Rolle eines mächtigen Distributors von Information eingenommen hat, muss sichergestellt werden, dass alle Information, solange sie die allgemeinen Gesetze nicht verletzt, über Google verteilt wird.

” Zeige Alle” –  Button
Eine konkrete Umsetzung um die Anzeige von Suchergebnissen entsprechend dem Surfverhalten zu erweitern, könnte die Einführung eines “Zeige Alle” – Buttons sein. Mit Hilfe dieses Schalters hätte der Nutzer die Möglichkeit, das tatsächliche, “objektive” Suchergebnis angezeigt zu bekommen, welches Unabhängig von seinen persönlichen Parametern ist.

Wie alle bisherigen i-15 Veranstaltungen war auch dieser Salon geprägt von offenen Diskussionen, einem fairen Umgang miteinander und ehrlicher Meinung. Gerne laden wir Leser dieses Artikels dazu ein, an einem der nächsten Termine teilzunehmen. Dazu entweder einen der bekannten oder genannten Teilnehmer ansprechen, oder diesen Blog verfolgen, auf dem alle weiteren Veranstaltungen angekündigt werden.

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Themenfokus: Zwischen Filtersourveränität und Scheuklappen – wie die Gesellschaft von Filtern beeinflusst wird und wie abhängig wir von Filtern sind“

Wissen Sie noch, was in der Zeitung stand, die Sie heute gelesen oder was die Themen in den Nachrichten waren, die sie gestern gesehen haben? Dass man auf so eine Frage nicht mit einer wirklich vollständigen Aufzählung antworten kann, liegt nicht nur daran, dass sich Menschen nicht alles merken können, was sie erleben und erfahren. Wir nehmen selektiv war. Wir merken uns besser, was uns interessiert, wir lesen und sehen meist, was uns ohnehin interessiert. Wir konsumieren die Medien, die tendenziell ohnehin die Meinungen bestätigen, die wir uns gebildet haben.

Wir filtern. Tag für Tag sortieren wir aus dem Strom an Informationen und Eindrücken unsere ganz persönliche Sicht. Durch die Digitalisierung und die Vernetzung tritt dieser Aspekt des Lebens – und das Paradoxon, dass Gesellschaft als gemeinschaftliche Übereinkunft trotzdem funktioniert, obwohl jeder im Grunde alles ganz individuell wahrnimmt – deutlicher denn je zuvor. Die Informationsmenge, aus der jeder, der über einen Internetanschluss verfügt, Wissen gewinnen kann, ist so groß wie nie zuvor in der Geschichte der Menschheit. Suchmaschinen oder die Empfehlungen von Freunden und Bekannten helfen uns, aus dem allgegenwärtigen Informationsfluss das herauszufischen, was für uns wichtig ist. Oder? Read the rest of this entry »

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Wo liegt die Grenze? Was ist privat, was ist öffentlich? Konnte in der Vergangenheit die Grenze klar gezogen werden, verschwimmt diese durch die omnipräsente Außendarstellung des Individuums im Netz immer mehr.

Rückblick
Auch in der Vergangenheit war nur das privat, was dem Einzelnen bekannt war: Unsere intimsten Informationen, Geheimnisse, politische Ansichten und Gesundheitszustände. Außer vielleicht meinem Arzt und dem Pfarrer war diese Information niemandem bekannt. Und diese waren auf Grund von Gesetzen zum Schweigen verurteilt. Hielten sie sich nicht daran folgte die rechtliche Räson. Habe ich meinen engeren Bekanntenkreis in meine Geheimnisse eingeweiht, war dies durch Vertrauen gesichert. Ein Vertrauen, das beim Missbrauch zu Nachteilen für mich führen konnte, aber nur eine bestimmte Reichweite hatte, die durch die direkten Kontakte meiner Bekannten definiert war.

Gegenwart
Durch den Einzug der digitalen Medien und der offenen Nutzung für alle kann der Missbrauch meines Vertrauens viel weitreichender sein. Ich bin Teil der Öffentlichkeit. Nicht unbedingt weil meine Geheimnisse für alle interessant sind, sonder eher dadurch, dass die Geheimnisse für viel mehr Menschen auffindbar sind. Festgehalten im Netz und in digitaler Form die für unterschiedliche Suchalgorithmen auffindbar sind. Das ist die persönliche Betrachtung aus der ich nur ein Handeln ableiten kann.

Forderung
Ich darf im Netz nur über mich und meine Geheimnisse sprechen. Die Wahrung der Intimsphäre all meiner Bekannten verbietet mir, irgendwelche Informationen über diese im Netz zu verbreiten. Ich möchte sogar so weit gehen, niemandem im Netz zum Geburtstag zu gratulieren, wenn sein Geburtstag nicht von ihm selbst irgendwo angelegt ist.

Personen des öffentlichen Lebens
Auch wenn die Definition von Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens nicht einfach ist, waren deren Privatheit schon in der Vergangenheit Opfer und Ziel analoger Medien. Trotz des investigativen Journalismus, der versuchte das eine oder andere Versäumnis oder Fehlverhalten dieser Personen auf zu decken, verstanden diese Personen Geheimnisse weiterhin zu verbergen. Wikileaks oder auch Abgeordnetenwatch sind Beispiele, die diese Bastion fallen lassen. Wer im öffentlichen Leben steht oder stehen möchte und eine Verantwortung für viele Leute trägt, muss mit der Öffentlichkeit leben und durch diese gewissermaßen kontrolliert werden. Dabei rede ich nicht vom öffentlichen Pranger, sondern eher von der Transparenz von Entscheidungsträgern.

Aktuelles Beispiel
Ein aktuelles Beispiel welches die Fehlleitung der weltweiten öffentlichen Aufmerksamkeit veranschaulicht ist der Fall von Neda Soltani. Die iranische Dozentin wurde mit der ermordeten Neda Soltan verwechselt und das Bild ihres Gesichtes mit dem falschen Namen in die Öffentlichkeit gezerrt. Plötzlich war sie mit Anrufen und Anfragen von Freunden und Bekannten konfrontiert, ob sie noch lebe. Darüber hinaus bekam sie auch Besuch vom iranischen Geheimdienst, der sie aufforderte, sich als die „angeblich“ ermordete Neda zu erkennen zu geben um den iranischen Staat rein zu waschen. Auslöser für diese Verwechslung war vermutlich ein einfacher Vertipper eines Internetnutzers, der die unterschiedlichen Persönlichkeiten in Verbindung brachte. Diese Verwechslung hat für Neda Soltani schlimmste Folgen. Mittlerweile musste sie ihr Heimatland verlassen und lebt hier in Deutschland.

Fazit
In unserer Kommunikation und in unserem Handeln gilt es als höchstes Gut, die Privatheit meiner Bekannten zu schützen. Ich darf nichts über andere Personen in die Welt setzen, was falsch, unwahr oder sensibel ist.

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Bereits den 4. Hamburger I-15 Salon werden wir am Donnerstag den 01. Juli durchführen. Ab 18:45h geht es los in der Plangeschen Villa des Business Club Hamburg im Heine-Park an der Elbchaussee 43.

Dort diskutieren wir über das Thema „Erinnern und Vergessen in Zeiten des Internet.

PS: Der Abend ist fussball-frei ;)

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Formuliere bitte die wichtigsten Gedanken und Anregungen seitens der anderen Teilnehmer, die Du für Dich an dem Abend mitgenommen hast:

Zwei Grundpositionen:
- Neu ist Entstehung von Poly- oder Patchwork-Identität, unterstützt vom Internet
- Verlassen eigener Identität nicht möglich (Ich bin ich), auch nicht im Internet.

Internet und Entstehung narzisstischer Persönlichkeiten
Internet und Verlust von Identität (z. B. Second Life)

Das Web, die Social Media Plattformen als große Geburtstagsparty.
Lose Kontakte unterschiedlicher Gruppen in der sich die Einzelperson bewegt, können aus dem digitalen Profil die Vielzahl der Rollen und Zugehörigkeit der Einzelperson erkennen.
Veränderung der Prägung der Identität. Früher 25% von mir und 75% von den Anderen. Hinzu 25% von den Anderen und 75% von mir. Führt vermutlich zu Narzismus.
Größte Gefahr geht aus dem Erfassen und Auswerten der passiv getrackten Daten und den möglichen Kombinationsmöglichkeiten der einzelnen.
Identität im Sperrfeuer des Marketings, das perfekte Produkt dem Individuum auf den Leib schneidern und es ihm zu empfehlen.
Krasses Beispiel des vollständigen Eintauchens in 2nd Life. 16h täglich führten zur Verschmelzung der digitalen und realen Identität.

Was multiple Identitäten zusammenhält, ist das von innen heraus wirkende *Gefühl*, dass all diese für einen selbst zusammengehören und eine Einheit bilden.
Das ernsthafte, dauerhafte Aufrechterhalten einer multiplen Identität ist ungeheuer *anstrengend* und deshalb impraktikabel und kaum in der Wirklichkeit vorzufinden — nicht aber das temporäre Schlüpfen in eine alternative Rolle in einem vorab gemeinsam definierten Spielraum.
Vertrauen beruht auf gegenseitiger schrittweiser Offenbarung. Die wachsende Menge an online verfügbaren Informationen über Personen bedroht potenziell diesen entscheidenden sozialen Mechanismus.

Ich war mehr als erstaunt, dass viele Teilnehmer ganz bewusst mehr als eine Identität pflegen und habe mich NICHT gewundert, dass sie es als anstrengend und komplex empfinden.

Besonders gefallen haben mir die Geschichten aus Second Life und die Erfahrungen, dass irgendwann das Bewusstsein nicht mehr unterscheiden konnte, was in Second Life passiert war und was im “First Life”. Diese Erfahrung der Täuschbarkeit des Gehirns über die Wirklichkeit ist für mich eine Warnung zur Vorsicht im Umgang mit virtuellen Welten.
Gefallen hat mir auch Götz’ Bild der “Dörflichkeit” des Netzes, d.h. der Entwicklung, dass es nicht mehr möglich ist, vollständig in der Anonymität der Großstadt abzutauchen und unter ihrem Deckmantel seine Egozentrik und sonstigen Unarten auszuüben. Diese werden jetzt im Netz oder in unseren sozialen Netzwerken Spuren hinterlassen. Wir haben dadurch eine größere soziale Kontrolle übereinander, was nicht nur schlecht sein muss.



Für das Erleben gibt es keine Virtualität – realer und digitaler/virtueller Raum sind eins.
Das Netz bietet die einzigartige Chance, authentisch zu sein.
Die Transparenz des Netzes wirkt der Ausgestaltung paralleler Identitäten faktisch entgegen.

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Ole Keding:
Identität ergibt sich gemäß sprachlicher Erwartungen der gesellschaftlichen Kreise, in denen man sich bewegt, z.B. ist sie im universitär-wissenschaftlichen Gruppen eine andere als im persönlichen Freundeskreis. Durch das Web entsteht eine latente Überforderung durch zu viele Angebote an sozialen Gruppen, in denen man sich bewegen und kommunizieren kann, Facebook, Foursquare, etc. Man braucht eine dicke Haut oder sollte schmerzbefreit unterwegs sein im Web. Hoffnung, dass die Fülle irgendwann wieder handhabbar wird.

Hans-Jürgen Kleinsteuber:
Nach Mead ist es (vor allem bei Heranwachsenden) die Interaktion mit anderen, welche zur Erfahrung einer eigenen Identität führt. Menschen wachsen durch Austausch mit der Umwelt in ihre Identität hinein, Persönlichkeitsreife (Erikson). Identität als uraltes Menschheitskonzept: Phase der Selbstfindung.
Durch das Internet kommunizieren junge Menschen zunehmend mit Maschinen, Algorithmen, welche den Prozess der Identitätsentwicklung mit prägen. Dies bietet einen größeren Spielraum mit Identitäten zu experimentieren: Maskierungsthese. Virtuelle und reale Identität begünstigen heute die Entstehung von „Poly-Identitäten“. Der Kommunikationshorizont wird zudem immer weiter, vom Dorf zu Deutschland und die ganze Welt nimmt teil. Es stellt sich die Frage, wo die Gefahren solcher Erfahrungen für die next Generation liegen, wenn zunehmend Maschinen Identität mit formen. Zudem vergisst das Internet nicht, speichert alte Identitäten. Und Menschen können immer einfacher durch Computer automatisiert identifiziert werden aufgrund ihrer digitalen Identitätsabdrücke =>Gefahr des Überwachungsstaats. Notwendig ist die Sicherung der wahren Identität für einen selbst.

Dietlinde Pätzelt:
„Identität wird immer dann Thema in wissenschaftlichen Debatten und Alltagsdiskursen, wenn sie bedroht ist.“

Dieses Statement – irgendwo gelesen – regt an, im Rahmen des I15 Salons „Digitale Identität“ zu reflektieren, wie und mit welchen Konsequenzen die medialen Welten des Netzes auf die Bildung und Gestaltung persönliche Identität wirken.
Identität lässt sich heute angemessen nur als facettenreiches, multiples Gebilde beschreiben. Der Sozialpsychologe Heiner Keupp hat dafür den Begriff Patchworkidentität geprägt. Er beschreibt Identität als einen aktiven, lebenslangen und kreativen Prozess der Selbstorganisation mit dem Ziel, sich in den unterschiedlichen Rollensystemen der spätmodernen Gesellschaft zu behaupten. Unter digitaler Identität ließe sich in diesem Zusammenhang ganz schlicht die Facette/n einer multiplen- oder Patchwork-Identität verstehen, die im Rahmen der Selbst-Repräsentation in der digitalen Sphäre entwickelt werden.
Dass Medien heute in Prozessen der Identitätsbildung eine zentrale Rolle spielen ist unstrittig und intensiv beforscht. Ergebnisse dieser Forschungen machen deutlich, dass und wie realer Alltag und medial vermittelte Realität ineinander verschränkt sind – eine Erfahrung, die das Web 2.0 besonders eindrücklich vermittelt.
Die digitale Repräsentanz der eigenen Identität wird in der Breite der Gesellschaft zunehmend zur Konvention, zur (notwendigen) Anpassungsleistung in privaten wie beruflichen Kontexten. Der Umgang mit dieser Anforderung ist allerdings breit gefächert. Er reicht von lustvoller Kreativität, über souveränen Pragmatismus bis zu ängstlicher Abwehr und Verweigerung. Neben individuellen Zugängen bestimmen auch die Sorge um den Missbrauch persönlicher Daten und Angst vor Übergriffen in die privaten Bereiche persönlicher Identität die Strategien des Identitätsmanagements im digitalen Raum.
Zweifellos schaffen Social Networks, Communities, Plattformen, Blogs usw. zahllose Möglichkeiten Identitätsprozesse effektiv unterstützen und inspirativ zu befeuern. Sie funktionieren als Instrumente der Selbst(er)findung und Reflexion und eröffnen nahezu unbegrenzte Möglichkeit für das selbstbestimmte „Experimentieren“ – das Entwickeln, Erproben und Ausgestalten von Facetten der eigenen Identität. Unabhängig von der Orientierung dieser Prozesse –von der Idealisierung des eigenen Ichs auf der einen bis hin zur Fetischisierung (Max Celko) des „wahren Lebens“ auf der anderen Seite – erfährt die Identitätsarbeit hier eine ganz eigene Prägung. Denn sie lebt maßgeblich von und für die Generierung von Aufmerksamkeit. Die Anzahl von „Kontakten”, “Freunden”, “Follower” wird zum Gradmesser sozialer Anerkennung und des eigenen Selbstwert.
Diese extreme Fokussierung auf Aufmerksamkeit bleibt nicht ohne Folgen. Sie verstärkt, wie sozialwissenschaftliche und psychologische Forschungen zeigen, deutlich die Ausprägung narzisstischer Persönlichkeitsanteile – eine Dynamik, die für die Ausbildung belastbarer Identitäten wenig förderlich ist. Denn übersteigerte Ich-Bezogenheit erzeugt ein Selbstwertgefühl, das leicht kränkbar und wenig frustrationstolerant ist und damit für das Management der Herausforderungen in der (realen) Welt nur bedingt taugt.
Systematisch beforscht wird dieses Phänomen z.B. von der amerikanischen Jugendpsychologin und Autorin Jean Twenge („Generation Me“, „Narcissism Epidemic“). Sie beschreibt die amerikanische Jugend als eine Generation, die so stark auf sich selbst fixiert ist, wie keine andere vor ihr. In der Reihe der Ursachen misst sie der Praxis medialer Selbstinszenierung eine erhebliche Bedeutung bei.
„Der nächste Schritt wird ein epidemischer Narzissmus sein.“ diagnostiziert sie und stützt diese Einschätzung mit Ergebnissen einer Langzeitstudie. Als Folge dieser Entwicklung prognostiziert sie Rekordzahlen an depressiven Menschen und einen zunehmenden Rückzug aus dem sozialen Gefüge.
Ähnliche Phänomene lassen sich heute auch in Westeuropa beobachten – sie gilt es zu analysieren und zu bewerten. Wir stehen vor der Frage, ob und wie wir kritischen Entwicklungen begegnen wollen und welche Impulse es braucht, um die konstruktive Entwicklung individueller und kollektiver Identitäten in der digitalen und realen Sphäre wirksam zu unterstützen.

Götz Hamann:
Wechsel der eigenen Identität ist historisch nichts neues, bzw. erfährt durch das Internet die Mehrheit der Gesellschaft wenig Neues hierin. Ab Mitte 30 sind die meisten in ihrer Identität gesettelt. Allerdings ist eine gesellschaftliche Übergangszeit im Umgang mit neuen Kommunikationstechniken und –werkzeugen zu beobachten (Twitter, Facebook, etc.). Irgendwann wird sich hier sich hier eine (evolutionäre) Optimierung des Einsatzes des jeweils passenden Werkzeugs für eine konkrete Situation einstellen. Auch wird sich die Gesellschaft an das fortlaufende Speichern von allem gewöhnen. Dies führt zu einer Zunahme der Sozialkontrolle und der Auflösung etwa anonymisierter Großstadt-Milieus. Auf daran wird man sich gewöhnen.

Peter Kabel:
Identität erschafft man nicht autark, sondern immer im Zusammenspiel und Austausch mit anderen Menschen in seiner Umwelt. Durch das Web ergibt sich allerdings in dieser Dynamik etwas Neues: Früher wurde man gesellschaftlich durch wenige, aber dafür enge Beziehungen / Freundschaften in seiner Identität geformt. Heute kann ich viel viel mehr „lockere Bindungen“ oder „loose ties“ eingehen und „managen“ als je zuvor. Hier bewirkt eine veränderte Quantität und zunehmende Geschwindigkeit der Entwicklung eine neue Qualität in Sachen Identitätsbildung. Die lockeren Bindungen nehmen immer mehr Raum und Zeit ein in meinem Leben, gleichzeitig haben sie durch die Flüchtigkeit in der Bindungsstärke und Dauer immer weniger prägenden Einfluss auf meine Identität. Dadurch wird der eigene Anteil an der persönlichen Identitätsbildung immer relevanter. Folge: Das Selbst wird zunehmend wichtiger und hat zu einem Narzissmus-Kult im digitalen Raum geführt. Es scheint, als ob die digitale Gesellschaft die Phase der Pubertät sehr lange hinauszögert und viele noch mit 30, oder 40 in einer narzisstischen Phase unterwegs sind. Mit dem typischen narzisstischen Problem, die eigene Sicht (auf das eigene Ich und die Welt) für allein wahr zu halten und sich danach zu verhalten. Was ist dagegen zu tun, gerade in der Erziehung – ???
Anderes Thema: zunehmende Transparenz verschiedener Parallel-Identitäten. Schattenseite: es wird immer schwieriger bestimmte Seiten an sich verborgen oder privat zu halten.
Und als dritter Aspekt: Passive Identitätsbildung. Gibt es eigentlich Pflichtidentitäten? Wann ist der bürokratisch organisierte Mensch ein Mensch? Wird es irgendwann die staatsbürgerliche Pflicht einen Facebook-Account zu besitzen wie einen Personalausweis? Oder gesellschaftliche Notwendigkeit, weil sonst keine Teilhabe am öffentlichen Leben möglich ist? Da hört der digitale Spaß spätestens auf …

Ulrike Reinhard:
Die Frage nach „wer bin ich?“, Identität in digitaler Kommunikation, stellt sich für mich nicht, denn meine digitale Identität unterscheidet sich NICHT von meiner analogen. Ich habe nur eine Identität – I am what I am! – egal auf welchem Kanal ich kommuniziere.
Und auf irgendeinem Kanal kommt man schon zueinander kommunikativ. Digital unterscheidet sich nicht daher nicht groß von real. Egal wie ich unterwegs bin und mit Menschen kommuniziere, es kommt auf die empfundene Intensität an.

Tina Pickhardt:
Ich habe nur die eine Identität, die sich in viele Facetten aufteilt, aber letztlich kommen diese in eins zusammen, auch körperlich. Hab viel virtuell ausprobiert in Second Life (SL) in Sachen Identitätswechsel, aber das hielt nicht lange an bzw. gelang nicht dauerhaft, z.B. als Avatar ein Mann sein oder blonde Haare haben, etc. Menschen, die zu lange Zeit in SL verbringen, laufen sicher Gefahr schizophren zu werden. Ich hab Second Life dann wieder sein gelassen, weil ich irgendwann merkte, dass mir der Unterschied zwischen der Wahrnehmung, was ich in SL erlebe und was in der realen Welt, nicht mehr möglich schien. Aber es gibt letztlich keine Virtualität, alles ist am Ende reale Existenz. Mein Avatar gehört zu mir und ich empfinde stark für ihn.
Fremdeinordnung im Netz, bspw. durch Twitterlisten, ist nicht in der Lage aus meinen Teilaspekten eine Gesamtidentität zu machen. Bin immer wieder erstaunt zu sehen, in welchen Kategorien / Überschriften Leute mich auf ihren Twitterlisten einsortieren. Menschen neigen auch hier dazu, nur auf ihre Wahrnehmung zu fokussieren. Dennoch, wie Ulrike sagt, Identität ist nicht teilbar, es gibt nur verschiedene Kommunikationskanäle.

Sanja Stankovic:
Identität ist stark kulturell geprägt. Wirklich individuell ist nur die eigene DNA und Fingerabdruck. Ich frage mich oft, welches Wissen habe ich über meine passive digitale Identität (bei anderen). Die Gesellschaft ist noch weit weg, dass Menschen selbstbewusst aktiv ihre digitalen Identitäten managen. Hier wären neue Unterrichtsfächer an den Schulen in Social Media notwendig.

Sebastian Deterding:
1994 stellte Sherry Turkle in “Leben im Netz” die These auf, das Internet ermögliche das Spiel mit multiplen Identitäten. Heute dagegen erschwert das Internet das Aufrechterhalten multipler Identitäten in multiplen Kontexten.
Turkle meinte noch, mehrere Identitäten zu haben sei ein charakteristisches Novum der Postmoderne. Mit Soziologen wie Erving Goffman kann man dagegen halten, dass unser soziales Leben immer schon daraus bestand, auf verschiedenen Bühnen verschiedene Rollen zu spielen. Identitätsmanagement heißt, erkennen zu können, auf welcher Bühne vor welchem Publikum man gerade steht, und entsprechend Aspekte der eigenen Person in den Vordergrund und andere in den Hintergrund zu spielen. Meinen Eltern gegenüber bin ich jemand anderer als meinen Freunden oder Berufskollegen, meinen Schulfreunden gegenüber ein anderer als meinen heutigen Freunden, vor zehn Jahren war ich ein anderer, als ich heute bin. Problematisch wird das immer dann, wenn verschiedene Bezugskreise, die verschiedene Seiten von uns kennen, sich plötzlich mischen — wie auf einer Geburtstagsparty.
Mit seiner skalierbaren Durchsuchbarkeit, Archivierbarkeit und unklaren Leserschaft eigener Äußerungen, konkret: mit Google, Personensuchen und Profiling ist das Internet dabei, zu einer fortdauernden Geburtstagsparty zu werden. Selbst wenn wir verschiedene Bezugskreise über verschiedene soziale Netzwerkdienste und mit verschiedenen Profilseiten bespielen, selbst wenn wir diese Daten anonymisieren — Suchergebnisseiten und Profiling fügen diese Daten online doch wieder auf einer Seite zusammen. Das erschwert Identitätsmanagement: Unser tägliches Bemühen, den ersten Eindruck und die Reihenfolge der Eindrücke zu gestalten, die andere von uns haben.

Christoph Kappes:
Identität gleicht einer Zwiebel, man entwickelt viele Schichten davon übereinander.
Das Web ist an sich noch sehr jung was seine Entwicklungszeit angeht und gleichzeitig sehr alt, da es nicht vergisst => Paradoxie.
Die interessanteste Veränderung ist die maschinelle Mischung von Web2.0 Werkzeugen mit old economy Statistikdaten. Und hier werden zunehmend persönliche Daten von mir, z.B. Fotos, durch andere (3. Personen) Menschen öffentlich gemacht.
Einwurf von Ulrike: „Ich bin ich heißt nicht, dass jeder alles über mich weiß bzw. öffentlich machen kann“
Einwurf Tina P.: „Digitale Informationen sind per se teilbare Güter“

Moritz Schott:
individuelle Motivation:
Die Identität ist einzigartig und kann nicht geteilt werden. Unsere Identität dient der Identifizierung in der Gesellschaft an Hand von Fingerabdruck, DNA, Personalausweis- oder Reisepassnummer. Sie ist unumgänglich um
gesellschaftliche Konsequenzen:
aktiv an der Gesellschaft zu partizipieren. Unser Rechtsystem basiert auf der Identität zum Abschluss von Verträgen und zur Übernahme von Verantwortung. Die digitale Identität hingegen ist nicht zwingend notwendig, bietet mir allerdings eine höhere Einflussnahme auf meine Außenwirkung. Daher
Handlungsanweisungen:
veröffentlich so viel wie möglich über das was du über dich selbst hören willst, um so die unangenehmen (diejenigen, die du nicht über dich hören willst) Eigenschaften deiner Person zu übertönen.

Maike Gosch:
Ich glaube, dass Identität auch etwas mit dem Erzählen von Geschichten zu tun hat. Identität kann man beschreiben als die Summe der Geschichten, die der Mensch sich über sich selbst erzählt und der Geschichten, die Andere über ihn erzählen. Geschichten waren immer der Sinnzusammenhang, in den der Mensch seine Sinneseindrücke und Erfahrungen geordnet hat, um sie zu verstehen, aus ihnen zu lernen und ihnen einen Sinn zu geben. Eine Definition von eigener geistiger Gesundheit ist die Fähigkeit, sich eine sinnvolle Geschichte über sich und die Welt zu erzählen. Im negativen Fall können Geschichten über uns als Summe an (erzählter) Gewalt (durch andere) und Ausbruch aus der Sinnlosigkeit der eigenen psychischen Geschichte gesehen werden.
Das Internet ist nun ein Forum geworden, auf dem sich alle diese Geschichten sammeln. War es bis vor ein paar Jahren noch der Ort der Möglichkeiten, auf dem verschiedene alternative Identitäten ausprobiert werden konnten (Second Life etc.), so ist es inzwischen, durch die große Vernetzung und die Verfeinerung der Suchmaschinen im Gegenteil zu dem Ort größtmöglicher Transparenz geworden. Das Netz saugt wie ein Magnet alle verstreuten Späne der Identitätsspuren und Geschichten zusammen und nun steht man “warts and all” oder “mit heruntergelassener Hose” (im Falle von ChatRoulette sogar wörtlich) vor der Öffentlichkeit. Zugleich hat die Forderung nach Authentizität im Internet hat oft eine Intensität, wie sie ein Kind oder Geliebter es fordert.
Diese identitätskonstituierende Narration ist jedoch keine lineare Geschichte und keine Menge von nebeneinander stehenden Geschichten mehr, sondern eine Art in sich vernetzter Hypertext geworden. So ist es kein Wunder, dass wir davon manchmal überfordert sind.
Wie ist mit dieser gläsernen Identität umzugehen? Ich glaube, es wird eine der größten Herausforderungen für die Menschen sein, ebenso wie für die Firmen und Marken, die im Netz auftreten, eine neue Fehlerkultur zu entwickeln. Wir sind nicht perfekt und das ist auch gut so! Im Netz können wir diese Illusion oder Maske nicht mehr aufrechterhalten. Wer damit nicht offensiv oder aktiv umgeht, dem wird diese Maske der Perfektion und Fehlerlosigkeit heruntergerissen. Wir können mit dieser Lupe, unter der unsere Fehler, Irrwege, Brüche sichtbar werden, am besten umgehen, wenn wir sie uns eingestehen und erlauben. Was bedeutet das? Für Firmen, Institutionen, Politiker bedeutet es, in einen offenen Dialog mit den Menschen zu treten, in dem auch Kritik erlaubt ist. Für Menschen, Unternehmer wie Privatpersonen, könnte es bedeuten, als ganzer Mensch im Netz in Erscheinung zu treten und mit seiner Persönlichkeit zu überzeugen. Als Beispiel fällt mir dazu die Game-Designerin Jane McGonigal ein, die auf ihrem Blog vieles Private von sich berichtet. Sie gewinnt dabei (bei mir und sicher auch bei vielen anderen Lesern) an Glaubwürdigkeit und Liebenswürdigkeit und ich bin sicher, dass das ihrem Alternate-Reality-Games-Geschäft hilft.
Vielleicht ist es also gut, dass das Internet uns zwingt, zu akzeptieren, dass wir Menschen (wie es in der Game-Branche heißt) uns noch – und wohl immer – in der Beta-Phase befinden!

Lars Reppesgaard:
Es gibt die berechtigte Angst vor dem Kontrollverlust. Ich werde laufend bewertet von einer mir unbekannten Masse. Hier empfiehlt es sich einmal Google Dashboard zu nutzen, um seine (Google-)Identität im Netz zu erkunden. Hier am Tisch sitzt allerdings auch eine Internet-Elite, die wenigsten da draußen wissen, was im Web alles abgeht. Und Trendsetter sollten auch einmal über die negativen Seiten der neuen Web2.0-Dienste berichten.

Agnieszka Krzeminska:
Innensicht: alles ist Möglichkeit, das Leben als ewiger Versuch bzw. Entwurf.
Außensicht: Wie werde ich von anderen gesehen? Realität ist das was gesellschaftliche Konvention zulässt, abhängig von der Zeit und ihr Qualität, in der wir jeweils Leben. Dennoch ist das, was es besonders macht der Mensch und seine unbegrenzte Fähigkeit zu lernen und Neues zu entdecken.

Mitschriften, gemischt mit Vorlagen der Vortragenden, durch Moritz Avenarius
Ort: Hamburger Business Club

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1. Was hattest Du von dem Abend erwartet?

  • Kennenlernen. Hat super geklappt. Alles nette und kompetente Leute!
  • Nette neue Leute im Internetkontext kennen lernen
  • Gute Gespräche
  • Eine Diskussion – andererseits finde ich es in Ordnung, wenn sich die I-15 Interessenten erst einmal vorstellen und zu mehr blieb keine Zeit
  • Unterschiedliche Haltungen, nette Gespräche. Aufgeschlossene und neugierige Menschen!
  • Eine lockere Austauschrunde und erstes Kennlernen zum Thema I-15
  • Interessante Kontakte, neue Anregungen zum Thema Internet im allgemeinen und individuelle Einblicke in spezielle Bereiche des World Wide Web
  • Ideen, Anregungen und Verbesserungsvorschläge für eine zukünftige Entwicklung des Internets
  • Eine Zusammenkunft mit interessanten Menschen, denen es auch ein Anliegen ist über das Netz und die Auswirkungen auf das soziale Miteinander anders als unter Marketinggesichtspunkten nachzudenken.
  • Menschen die Social Media nicht vorrangig als Teil einer Verwertungskette sehen.
  • Genau das was passiert ist


2. Was hat Du (inhaltlich) mitgenommen
?

  • Ideen und Ansichten die durchaus anregend sind.
  • Bewusstsein für die kulturelle Diversität der Netznutzung
  • Die Anregung, die von einigen kam: das Netz für “das Gute” zu nutzen, das Gute verbreiten und tun
  • Eindrücke über die „Schattenseite“ und „Lösungsmöglichkeiten“, die ich bisher nicht bedacht habe.
  • Daß die Faszination für die Möglichkeiten des Netzes in etwa so groß ist wie die Angst davor.
  • Daß es noch viel zu tun gibt, um von der technischen Diskussion auf die inhaltliche zu kommen und dann wirklich und endlich über NETZWERKE sprechen zu koennen.
  • Eigentlich waren viele Skeptiker da!
  • Einsicht, dass Sozialität im Web wir salzig-süße Lebensmittel ist: Beide sind in unserer natürlichen Umwelt knapp, weshalb wir sie intensiv aufsuchen, beide werden in unserer Kulturumwelt im Überfluss angeboten, weshalb wir uns an ihnen potenziell überernähren
  • Die Bandbreite an inhaltlichen Vorstellungen und Vorschlägen zum Thema ist noch sehr groß und unsortiert. Ist wie so eine Art Brainstorming-Ergebnis. Es wäre gut die Antworten und Gedanken zu klustern und zu den einzelnen Subthema weiterzuarbeiten
  • Daß man offline viel besser über das Internet diskutieren kann als online
  • Einen sehr geselligen Abend, gut war die Rotation der Sitzplätze, das hätte fast noch eine Runde öfter stattfinden können


3. Was hätte besser laufen können?

  • Raum für Plenumsdiskussionen
  • Es gibt bestimmt eine besseres System für den Platztausch ;)
  • Die Kosten kann man als Einzelner nicht absetzen, dafür fand ich es ein wenig zu teuer
  • wärmere Füße
  • Für mich war der Abend so sehr ok, vielleicht hätten 1-2 gleiche Fragen zu Beginn schon ein bisschen mehr Struktur zu Anfang gesetzt.
  • Irgendwie kamen mir ein paar Menschen so vor als wuerden sie eine „genauere“ Orientierung benötigen – was soll das ganze, wo geht es hin, wo will es hin.
  • Alles gut


4. Über welche Themen/ Fragestellungen würdest Du Dich gerne weiter austauschen?

  • Relevanz
  • informelle Selbstbestimmung
  • globales Rechtssystem im Netz
  • Zentralisierung des Internets
  • Diejenigen 3 die ich als Thesen eingeworfen habe: Digitale Selbstverwirklichung, Infobewältigung und -nutzung und das Ende der Privatheit
  • Medienkompetenz – Denn sie wissen nicht was sie tun … wie kann man es ihnen beibringen? Sowohl den ganz Jungen, als auch den noch nicht im Netz so recht angekommenen. Die einen sind übereuphorisch die anderen überängstlich.
  • Gefahren in den nächsten Jahren durch die zunehmende Digitalisierung der gesamten Welt und Lösungsangebote für die Gesellschaft. (z.B. Medienkompetenztraining finde ich ne super Idee)
  • Digitales und Suchtstrukturen. Wie modern ist ein bisschen Prokrastination? Wo hört die Koketterie auf und fängt die Sucht an?
  • Folge von Multitasking und stetiger Erreichbarkeit für unsere Produktivität, Seelenruhe und Verhalten
  • notwendige kulturelle Anpassungen um die technologischen Möglichkeiten besser zu nutzen
  • Etablierung sozialer Normen angemessenen Verhaltens für privat/öffentliche und on/offline-Situationen im Netz und im Alltag mit Einspielung von Netzkommunikationen (Laptop, Twitterwall, iPhone, etc.)
  • Über den individuellen Umgang mit speziellen Formen der Kommunikation im Netz
  • Über den tatsächlichen Nutzen vieler Appliaktionen und Gewohnheiten der Netz-Gemeinde
  • Eher vage: Thematisches rund um Payback (Schirrmacher). Habe ich nicht gelesen, finde ich aber spannend!
  • Warum vertrauen die Menschen NETZWERKEN nicht?
  • Stand und Zukunft der deutschen Netzpolitik unter Schwarzgelb post-Zensursula
  • Über zukünftige Ideen zur einfacheren Handhabung des Netzes, ohne die Freiheit einzuschränken.
  • Digitale Identiät, Pluralität der Auftritte in Balance mit der gewünschten Privatsphäre.
  • Das Netz für “das Gute” nutzen, das Gute verbreiten und tun


5. In welcher Form sollte dieser Austausch idealerweise stattfinden?

  • persönliche Treffen mit Platz zur Diskussion
  • Face to face bei diesem Thema!
  • Dinner ist super
  • Soiret-Format ist gut, beibehalten
  • Dazu fällt mir gerade nichts besseres ein …
  • vielleicht fester Ort/Tag?
  • Auswertung und Darstellung der Ergebnisse auf neutraler Plattform mit der Möglichkeit Quellen zu hinterlegen
  • Online in einem Forum, um einige Themen vorzubereiten, anzudenken, auszuformulieren und zuzuspitzen – auch um Konzepte zu entwickeln, wozu der Kreis überhaupt dienen könnte, was das Gute, Sinnhaftte sein kšnnte, das aus soviel geballter Wissenskraft und Kreativität hervorspringen kann. Dazu eine Ideensammlungen etc, aber alle zwei oder drei Monate (mindestens, eher etwas öfter) auch „real life“ Treffen.
  • Entwurf einer “Doktrin” zu positiven Gestaltung der zukünftigen Entwicklung des Netzes
  • Personenkreis erweitern: Vielleicht jeden Abend ein oder zwei neue Teilnehmer (oder prominentere Personen zum einmaligen Dialog) einladen, die vorab oder in der Mitte etwas länger ihre Position oder These zu etwas darlegen und damit dem Abend einen Rahmen geben
  • Vielleicht Gesamtteilnehmerzahl pro Abend beschränken (mit Voranmeldung), um Heimeligkeit der Atmosphäre sicherzustellen (kein Social Media Club HH-Gerummel)
  • ggf. in Kooperation mit Körberstiftung o.ä. mittelfristig prominentere Namen heranholen, die in einer Art Podium im Diskurs mit Teilnehmern des Soirets vor einer großen Öffentlichkeit präsentieren/diskutieren und danach im kleinen Kreis Abend essen?
  • In Kleingruppen zu den jeweiligen Spezialthemen/Unterthemen
  • Es könnte beim bestehenden System und wachsender Teilnehmerzahl schwierig werden, so viel Erkenntnisse wie beim letzten Mal mitzunehmen
  • das hängt davon ab, was am Ende herauskommen kann / soll.


… und überhaupt – was Ihr uns sonst noch sagen mögt?

  • Danke für Organisation, Moderation und Nachgang.
  • Es war eine super Idee und ich bin gespannt wie es weitergeht.
  • Eine wirklich gute Idee ist die ganze Sache.
  • Es war ein wunderbarer Abend, ein wenig versprengt, weil es fast schon zu viele Menschen waren, die alle sehr viel zu sagen hatten.
  • Ich finde es gut, dass es so offen gehalten ist und kein „Manifest“ oder irgendein „konkretes Ergebnis“ das Ziel ist.
  • “I-15″ und das Straßenschild sind ein guter Markenkern – beibehalten, Domain registrieren
  • mittelfristig nach außen öffnen. Sinnvolle Form der Online-Außendarstellung und Kommunikation finden, die kluge Interessierte anzieht und der Allgemeinheit vom intellektuellen Mehrwert, der auf den Abenden entsteht, etwas sinnvolles abgibt
  • Vielleicht eine kleine (Online-)Streitschriftenreihe à la publius.cc?
  • Deine Moderation hat mir sehr gut gefallen, Moritz! Sehr unaufdringlich, allenfalls bei zu ausufernden Beiträgen zum Ende hin darfst du gerne deutlicher die charmante “Schluß-Jetzt”-Peitsche schwingen lassen :)
  • Keep on going …
  • ;)

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Peter Kabel:
- Generelles Unwohl sein darüber, dass derzeit zu wenig die Folgen bedachte werden was die Entwicklung des Internets angeht
- “Erschlaffung des Euphoriemuskels” im Bezug auf Web2.0 macht sich bemerkbar u.a. daran, dass Bedenken wenig Resonanz finden
- Sorge speist sich auch aus den Beobachtungen als Vater bei den eigenen Kindern Ziel muss es sein die Web-Kompetenzen zu stärken, bei sich und den eigenen Kindern

Sebastian Deterdings:
Zwei veraltete Denkfiguren / Irrtümer, die wir über das Internet besitzen:
- “Der Cyberspace sei der “ganz andere” Raum” (Aussage vom Wortschöpfer William Gibbson). Es hat zeigt sich jedoch, dass die “Objekte” (Menschen, Bücher, Beziehungen, etc.) aus der realen Welt im Netz einen “Datenschatten” haben, das Web ein digitales Abbild der Welt ist.
- “Das Web ist dezentral strukturiert” – oder ein “glückliches Stundenglas” vielfältiger Schichtungen. Wir erleben statt dessen, wie einige wenige zentrale, privat-wirtschaftlich betriebene Knotenpunkte (Facebook, Google, Amazon, etc.) das Netz strukturieren und möglicherweise kontrollieren.

Nils Müller und Sebastian Rassmann (TrendONE):
-stellten ihre wunderbare Zauberkiste an kommenden Gadgets und Geräten vor: u.a. WLAN-fähige Displays, foliendünn, die in Zeitschriften mit eingedruckt sind, Mini-Beamer, Projektorbrillen, etc.

Hans-Jürgen Kleinsteuber:
- Worin liegt der konkrete Nutzen solcher Geräte (wie von TrendONE) vorgestellt?
- Was sind gesellschaftliche Konsequenzen, etwa zunehmend abisolierte Individuen (Projektorbrille etwa), Gefahr einer atomatisierten Gesellschaft?
- Plädoyer für mehr gelassenen Pragmatismus mit den gezeigten Dingen

Kirstin Marquardt:
erzählt von ihrer persönlichen Entdeckungsreise im Web und das Leben mit anderen, virtuellen Identitäten beim Schreiben und Bloggen über abseitige Orte. Oder die kommunikative Doppelung auf Veranstaltungen, bei denen hinter dem Redner eine Twitterwall laufend Kommentare zeigt und das Publikum (und Redner) in doppelte Aufmerksamkeit bringt.

Agnieszka Krzeminska:
hat drei Thesen zur Zukunft des Web mitgebracht:
- Das Netz ermöglicht grenzenlose Selbstverwirklichung – “Du kannst alles machen was Du willst”
- Wissensmanagement ist die große Herausforderung, um das gesammelte Wissen im Web besser zu organisieren, strukturieren, visualisieren und damit zugänglich zu machen
- Das Ende der Privatheit wie wir sie bisher kennen wird kommen

Götz Hamann:
Souvernität als Thema der Zukunft:
- für Staaten, die sich zunehmend selbstbewußt und mächtig agierenden Konzernen der Informationswirtschaft gegenüber positionieren und behaupten müssen (ähnliche Entwicklung wie einst mit der Ölindustrie)
- für Individuen, wie behalte ich meine informelle Selbstbestimmtheit im Netz?

Lars Reppesgaard:
- sieht Google ebenfalls bereits als Staat im Konflikten China
- Wünscht einen Dialog mit klugen High-Tech-Sphären Menschen (Geeks) darüber: „Was tut ihr da eigentlich?“
- schlägt vor, dass IT-Firmen wie Banken ihr Geschäft betreiben sollten, d.h. jeder kann so etwas wie ein Konto für seine Daten eröffnen, die er oder sie der Firma für eine Zeit leiht für spezielle Informationsgeschäfte

Matthias Kunze:
- Zeit als Thema: wie erlebt jeder einzelne seine Zeit? als geschenkte Zeit? investierte Zeit?
- Und was motiviert Menschen zu diesem oder jenem Handeln in der Zeit?
- Letztlich wollen wir alle kommunizieren und so am gesellschaftlichen Leben teilhaben. Nur ist die Kommunikationstechnik inzwischen schon weiter bzw. bietet viel mehr Möglichkeiten, als die meisten Menschen nutzen können

Ulrike Reinhard:
- Das Internet als gigantisches Netzwerk, in seiner Entwicklung getrieben durch die vielfältigen Einstellungen der Menschen
- Bisher gab es eine Balance zwischen Gutem und Schlechtem im Web => wir wollen, dass langfristig das Gute überwiegt
- Damit es so bleibt ist ein ausgewogenes Geben und Nehmen entscheidend: Was ich aus dem Netz heraus holen will, muss ich selbst erst hinein legen
- Frag Dich lieber, was braucht das Netz von Dir, als was Du vom Netz haben willst
- Was sich entwicklen muss: ein kollektives Bewertungsverfahren, was wichtig und relevant ist
- Ausblick: Die Selbstdarsteller werden im klugen Netz „aussterben“

Moritz Schott:
- Facebook geht mir auf die Nerven!, Monotonie der Inhalte: Glücksnüsse, Farmville und ähnliches.
- Wo bleibt die Orginalität?
- Monopolisten stellen vorgefertigte Inhalte zur Verfügung, was zur Verflachung führt
- Wie entsteht dagegen wirklicher gesellschaftlicher Mehrwert?
- Nachhaltigkeit im Netz: Einen rechtlichen Rahmen schaffen, der die Menschen schützt und zugleich die Vorteile von Anonymität bewahrt

Sachar Kriwoy:
- Die Webszene in Deutschland hat einen Hang zum destruktiven: der Begriff „fail“ führt die Spitzenplätze der meistverwendeten Tags an (auf Twitter)
- Wo sind die positiven Seiten / Denkweisen?
- Werte schaffen, mehr Leidenschaft für die guten Dinge!
- Das Web nutzen die Welt zu verbessern (Bsp: „Der kleine Blumenladen“ in Berlin)

Cem Basman:
- möchte sich gerne vom Web veranschieden
- „mich interessiert das Web nicht, mich interessieren nur Menschen“
- ist erschlagen von der Vielfalt des Webs, versucht es aber zugleich zu nutzen wie ein Instrument (Geige, Cello, etc.)

Tina Kuhlow:
- 1996 konnte man noch an einem Nachmittag das Netz erklären …
- Die Spendenbereitschaft für Haiti, organisiert im Web, ist ein guter Grund das es das Interet gibt
- Zentrale Fragen: Wem gehört das Web? Welche Rechte hat der einzelne? Und wie bleibt das Web gut?

Björn Ognibegni:
- Überwachung und Regeln / Vorschriften im Web erinnern an die Sicherheitstechnik in den modernen „Gängelauto“ (piepen wenn nicht angeschnallt, etc.)
- Vorratsdatenspeicherung ein Monstrum. Wenn das BKA bei jedem Brief verlangen würde den wir schreiben, dass wir ein Zusatzblatt ausfüllen mit Angaben über Absender, Inhalt, etc., es würde einen Aufschrei geben in der Gesellschaft.
- Bild der „Ankerkette um den Hals“
- Wir müssen mit den Leuten reden, die heute noch denken: „das geht mich alles nix an“

Resi Wendt:
- die zwei großen Errungenschaften des Internets:
a) Wissen, dass in aller Fülle und jederzeit verfügbar ist
b) Freiheit Kontakte zu knüpfen mit jedermann weltweit und die eigene Meinung zu äußern
- Schattenseiten werden inzwischen deutlich sichtbar
- Aufklärung ist wichtig, Bewußtsein schaffen

Ole Keding:
- das Web ist dezentral im Sinne einer kulturellen, länderspezifischen Vielfalt. In Deutschland ist das Internet ganz anders als z.B. in den USA
- Frage nach der Relevanz: persönliche Überforderung und was kann ich dagegen tun? Wie wird das Internet wieder handhabbar für den Einzelnen?

Moritz Avenarius:
- das Internet als 4. epochenmachendes Verbreitungsmedium nach Sprache, Schift und Buchdruck und die Frage, wie es die Gesellschaft langfristig verändern wird
- was wird die Gesellschaft hervorbringen, um die Komplexität und das Überangebot an Sinn durch das Web zu reduzieren?
- wie managen wir das Nicht-Wissen, was uns immer drastischer vor Augen geführt wird, dem wir laufend ausgesetzt sind?
- persönliche Vision: durch das Internet finde ich als Individuum den Menschen, der optimal oder sogar perfekt zu mir passt, ob für Geschäftsbeziehungen, Liebe, Freundschaft, etc. und macht mich unabhängig von dem „Dorf“, in welches ich mehr durch Zufall hineingeboren wurde

Aufzeichnungen gesammelt und editiert von Moritz Avenarius
Ort: Restaurant Fuh in Hamburg Altona

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