Authentizität hat einen hohen Stellenwert – gerade in der Massengesellschaft. Wie echt ist die eigene Persönlichkeit, wie kenntlich wird ihr Eigensinn? Unter anderem Namen zu publizieren, aufzutreten und zu leben – damit spielten bisher meistens Schriftsteller, Schauspieler und Künstler. Wie in vielen anderen Lebensbereichen macht heutzutage das Internet es möglich, unter diversen Namen und mit vielen Identitäten aufzutreten. Man mag das als Vervielfältigung des Ich, als „Demokratisierung“ und somit als Freiheits-Gewinn ansehen. “Ich ist ein anderer“ – so hatte Arthur Rimbaud geschrieben. Als ein „anderer“ im Web zu posten, sich darzustellen – das kann heutzutage jeder.
Spätestens seit den spektakulären Veröffentlichungen brisanter Dokumente durch Wikileaks besitzt diese Möglichkeit, im Internet anonym zu agieren, jedoch auch gesellschaftspolitische Sprengkraft. Immer häufiger kommt daher aus der Politik der Ruf nach einem Zwang, nur mehr mit dem eigenen „Klarnamen“ im Web sich zu artikulieren.
Einen festlegenden Vorstoß hatte Google+ gestartet. Die neue Social Networking Plattform verlangte zu Beginn von Nutzern die Verwendung des Klarnamens. Dagegen protestierten viele User erfolgreich, die bisher im Internet unter einem Pseudonym aktiv sind und damit eine gewisse Bekanntheit erreicht haben. Denn für sie ist gerade der Reiz, mit einer weiteren Identität öffentlich und zugleich geschützt sein zu können. Inzwischen hat Google+ seine Policy zurück genommen.
Hieran knüpfen sich nun Fragestellungen, welche spielerischen Möglichkeiten etwa das “wer bin ich – und wenn ja wie viele” im Netz eröffnen? Wohin führt die Netz-Schauspielerei in Zeiten, in denen der Ruf nach Authentizität wächst? Inwieweit verändern Pseudonyme und Anonymität die Kommunikation? Und in welchen Zusammenhängen ist Anonymität erforderlich – und ab wann wird sie für eine Gesellschaft problematisch?
Auf dem zehnten Hamburger I-15 Salon am 23. November 2011 wollen wir während eines gemeinsamen Abendessens hierzu intensiv diskutieren und uns austauschen über:
“Pseudonyme und Anonymität in Zeiten von Internet und Datenbanken”
Eingeladen sind Menschen, die hierzu etwas Beitrag wollen und mitreden möchten; erbeten wird daher ein kurzes, ca. 3-minütiges persönliches Statement zum Thema, das folgende Elemente enthält:
a) individuelle Motivation
b) gesellschaftliche Konsequenz
c) mögliche Ideen für Handlungen

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